Anfang der Woche ist es wieder soweit – der aktuelle Armutsbericht der Bundesregierung soll vorgestellt werden. Aus diesem geht eine weitere Zuspitzung der allgemeinen Lage hervor. Nahezu jeder achte Deutsche ist von Armut betroffen, sogar jeder Vierte leidet unter massiver Geldnot. Die Schere zwischen Arm und Reich wird also weiterhin immer größer. Besonders betroffen sind Arbeitslose und Alleinerziehende. Hier sieht die Regierung eine klare Aussage: Die Kinderbetreuung muss weiter ausgebaut werden, damit auch Alleinerziehende eine Chance haben, einen Job zu finden, mit dem sie ihre Familie ernähren können.
Mittlerweile werden die Reichen immer reicher, bei den Armen hingegen beobachtet man aktuell eine Verschlechterung des Einkommens und im mittleren Einkommensbereich stagnieren die Einkommen. Als Arm werden dabei all jene Menschen bezeichnet, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdienen. Dies entspricht einem Verdienst unterhalb von 781 Euro netto und gilt für Alleinstehende. Als Reich dagegen gelten Alleinstehende, denen monatlich mehr als 3.418 Euro netto zur Verfügung stehen. Besonders dramatisch ist die aktuelle Lage bei all jenen Menschen, die trotz Arbeit auf Sozialleistungen angewiesen sind, bzw. trotz regelmäßigem Arbeiten Gehens kaum genug Geld zum Leben haben. Würde der Staat die Menschen nicht mit Leistungen wie Wohn- oder Kindergeld unterstützen, so fänden wir heute statt 13 Prozent armer Menschen gar 26 Prozent. So kann man mit Hilfe dieser Leistungen auch erkennen, dass die physischen Gründe für Armut wie etwa die Wohnungslosigkeit zwar bekämpft werden konnten, dennoch ist die Armut in Deutschland nach wie vor vorhanden.
Aktuelle Gespräche über die Erleichterung bei der Steuerlast, wie sie die CSU führt, stoßen dabei jedoch bei vielen Politikern auf Unverständnis. Denn der Sozialstaat kostet nun einmal Geld. Das heißt, dass er auch entsprechend finanziert werden muss. Steuersenkungen würden unabdingbar auch mit einer Kürzung der Leistungen der ohnehin schon armen Bevölkerungsschicht, der Rentner und Arbeitslosen einhergehen. Und dies sei mit Sicherheit nicht im Sinne des Staates.

Es wundert einen nicht! Ja, die deutsche Wirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit sinkt, und jetzt wissen wir es ja, so arm wie wir sind, wäre früher Mancher gerne reich gewesen.
Dank Bild und RTL wissen wir auch, dass das “bildungsferne Prekariat” selbst an seinem Elend schuld ist.
Ich bin weder ungebildet, noch faul, noch unflexibel. Als studierter Historiker und Ethnologe arbeite ich in zwei verschiedenen Jobs. Eine Bekannte von mir hat einen Doktor der Philosophie und jobbt auf 1 Eurobasis in einem Archiv. Es langt trotzdem nicht. Ich würde auf Hartz IV nicht zurückgreifen müssen, wenn es nicht solche schamlosen Dumpinglöhne gäbe.
Die Arbeitsagenturen sind in den meisten Fällen nicht wirklich hilfreich. Im besten Fall wird man einigen Mitarbeitern guten Willen attestieren, meistens sind es reine Hartz IV Ausschüttungsstellen. Das deutsche “Sozialsystem” ist überhaupt nicht geeignet, Bedürftigen eine Perspektive zu geben, sich zu bemühen, sich zu engagieren wird ja nicht belohnt, nicht einmal gewürdigt. Ich habe mal vorgeschlagen, eine Beratungsstelle von Arbeitslosen für Arbeitslose einzuführen. Man hätte zumindest drei bis vier engagierten Leuten etwas zu verdienen geben können und wichtiger noch, Beschäftigung und Eigeniniative bieten können.
Statt dessen wird man noch als Sozialschädling verächtlich gemacht und muß sich mit zu Beamten geadelten, dummdreisten Heloten herumschlagen.
“Ich schreibe für ein Schulportal und für online- Publikationen als Autor und Lektor.”
“Häh, was? Autoelektriker? Da müssense vorher Hartz IV beantragen, ehe ich Ihnen weiterhelfen kann!”
Da fällt einem nichts mehr ein, und es macht sehr zynisch.